Gili Trawangan – Vom Paradies zur Partyinsel

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Gibt man bei der Goolge Bildersuche die Gili Inseln in Indonesien ein, sieht man drei Inseln von oben, die erahnen lassen, dass es dort wunderschön sein muss. Nach vier Tagen in Ubud, sollte für uns der Traum vom Paradies Wirklichkeit werden. Da ich mich bereits vor zwei Jahren in die Insel Gili Trawangan verliebt habe, wollte ich meinem Freund dieses wunderschöne Fleckchen Erde ebenfalls zeigen.

Noch in Ubud buchten wir das Speedboot und den Transfer vom Hotel dort hin. Lasst Euch gesagt sein, dass die Ticketverkäufer auf jeden Fall versuchen werden, Euch übers Ohr zu hauen. Vergleichen heißt die Devise. Bei Gesprächen mit anderen Touristen wurde uns klar, dass wir ein richtiges Schnäppchen gemacht hatten. Für 40 Euro (hin und zurück) kauften wir jeweils die Tickets. Morgens ging es schon um sieben Uhr los. Der Fahrer holte uns vollkommen verschlafen vom Hotel ab und fuhr uns mit quietschenden Reifen zur Fähranlegestelle. Dort angekommen, war mir kotzübel. Die ganzen Kurven und das ständige Bremsen, was darauf schließen ließ, dass der Fahrer ein richtiger Fahranfänger war, hatten mich mitgenommen. Meine Gesichtsfarbe glich dem weiß unserer heimischen Wände. Nach einem kurzen Frühstück, ging es dann aufs Boot. Wir ließen uns 1,5 Stunden durchschaukeln und plötzlich lag es vor uns. Das Paradies. Mein Freund fragte mich, ob dies die richtige Insel sei, ich schaute aus dem Fenster und überlegte. Die Boote im Hafen standen eng gedrängelt aneinander und man erkannte den Strand gar nicht richtig. Ich hatte keinerlei Erinnerungen, dass dies beim letzten Mal auch so war und vermutete, dass es wahrscheinlich eine der anderen beiden Inseln sein musste. Doch meine Vermutung erwies sich als falsch, denn der Kapitän rief in der gleichen Stimmlage, wie ein Boxkampfmoderator „Gili Trawangan, please go out“. Wir drängelten uns über das Boot und mussten erstmal rum krackseln, damit wir am Ende auch vom Boot runter kamen. Ein dickeres, älteres Ehepaar hatte sichtlich Probleme, denn die für die beiden war es nicht so einfach seitlich am Boot entlang zu klettern. In meinen Gedanken malte ich mir schon aus, wie einer der beiden einen Rückwärtssalto ins Meer machte. Unten angekommen, fragte mein Freund mich entsetzt, ob dies das Paradies sei, von dem ich so geschwärmt habe. Ich wußte es auch nicht, denn nichts schien mehr, wie es damals war.

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Unsere Unterkunft lag nicht allzu weit vom Hafen entfernt. Die lauten Klänge von Musik  drangen mir in die Ohren. So hatte ich das alles aber nicht in Erinnerung. Ein Partybootanbieter reihte sich an den Nächsten und alle zwei Meter wurde man angesprochen, ob man etwas kaufen möchte. Erwähnt werden müssen auch die Besoffskis, die schon am Nachmittag ihre rotgeölten Körper in der knallenden Sonne bräunten. Ich war im falschen Film, oder aber auf der falschen Insel. Plausibel stellte mein Freund fest, dass man ja nicht mal richtig schwimmen kann, weil einfach überall Boote auf dem Wasser waren und die Strandabschnitte auch nicht sonderlich hübsch waren. Auf den Schock musste ich erstmal klar kommen. Das Tir Na Nog sollte für eine Woche unsere Unterkunft werden, doch leider lag es ebenfalls mitten auf der Partymeile. Ich ahnte Schlimmes. Ja, man könnte sagen, wie blöd bist Du denn, du warst doch schon da. Ja, das war ich, aber zu dem Zeitpunkt, sah die Partymeile noch nicht aus, wie die Schinkenstraße auf Mallorca. Wir entschieden, die Insel bis zum Check-In zu Fuß zu erkunden. Meine Stimmung war auf dem Tiefpunkt angekommen. Auch mein Freund hatte keinerlei Interesse an diesem Ort zu bleiben. Ich dachte nach.

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Auf der anderen Seite der Insel war es ruhiger und wir machten uns zu Fuß auf den Weg dorthin, um zu schauen, ob es vielleicht eine Alternative wäre, das Hotel zu stornieren und auf der anderen Seite zu nächtigen. Ja die Idee war gut, aber die Preise dort nicht. Das Thema beendete sich schneller, als wir dachten.  Auf dem Rückweg zu unserem „Party“hotel, besuchten wir einige Tauchschulen und holten uns Informationen und Preise ein, denn zumindest die Unterwasserwelt wollten wir dort weitestgehend erkunden. Die Preise der dort ansässigen Tauchschulen waren alle gleich, die Preisabsprache funktionierte auf der Insel also reibungslos.

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Wir entschlossen bei Dream Divers 6 Tauchgänge zu machen, schließlich hatten wir ja genug Zeit und die wollten wir nicht unbedingt am Strand verbringen. Die Auswahl der Tauchspots war groß und jeden Tag ging es wo anders hin. Die von einem Schweizer geführte Tauchschule war uns gleich sympathisch und wir buchten direkt für den nächsten Morgen den ersten Tauchgang.

 

 

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Am Abend führte uns der Hunger in eins der coolsten Burgerrestaurants auf der Insel. Das  „Le petit Gili“ ist der perfekte Ausgleich zum indonesischen Essen. Der Standort ist auch nicht zu verachten. Wir konnten von dort aus direkt auf den Nachtmarkt schauen, auf dem man jeden Abend für wenig Geld essen gehen kann. So war es zumindest vor zwei Jahren.

 

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Am nächsten Tag ging es dann zur Tauchschule. In den Anzug, fertig, los. Wer gerne Schildkröten sehen möchte, ist hier genau richtig. Wir sahen bei einem Tauchgang sechs wunderschöne Schildkröten, Seeschlangen und ganz viele tolle Fische. Was man sagen muss ist, dass die Korallen an den meisten Riffen nicht mehr schön sind. Durch die wilde Fischerei mit Dynamit, wurde leider sehr viel zerstört.

Was macht man eigentlich, wenn auf einmal ein Hai auf einen zu schwimmt? Und ich rede hier nicht von einem kleinen Babyhai, sondern von einem richtig Großen, den man sonst nur mit einem aufgerissenen Maul auf den Titelbildern der Bild Zeitung, oder aber bei Reportagen im Fernsehen sieht. Ich drehte mich um und keiner der anderen Taucher bemerkte ihn. In meinem Kopf spielte sich eine Melodie ab „tüdutüdu“. Ich versuchte die anderen Taucher auf den Hai aufmerksam zu machen, aber auch mein Freund hatte anscheinend seine Brille zu Hause gelassen. Da kam er und schwamm an mir vorbei. Ich war etwas verängstigt, aber auch überwältigt, denn wer kann schon sagen, dass er einem Hai schonmal so nah war. Langsam merkten auch die anderen Taucher, was sich hinter ihrem Rücken abspielte und alle staunten das prachtvolle Tier an. Leider war es dann auch schon wieder Zeit aufzutauchen. Als wir hoch kamen, traute ich meinen Augen nicht. Es regnete in Strömen, donnerte und blitzte. Ich drehte mich um und sah unser Boot. Ein Glück. Mühsam schwammen wir dort hin und mit der Hilfe der Crew hievten wir uns aufs Boot, das in den Wellen zu versinken schien. Mich durchfuhr eine kalte Prise. Man konnte nicht mal mehr die Hand vor Augen sehen. Dann erst bemerkte ich, warum alle so panisch wurden. Eine Tauchgruppe fehlte noch. Wir hielten Ausschau. Da das Wasser in mein Gesicht schlug, zog ich meine Taucherbrille wieder an und trotzdem konnte ich nichts erkennen. Wir fuhren das Meer ab und erst nach 20 Minuten entdeckten wir die restlichen drei Taucher. Erleichtert zogen wir sie an Bord und fuhren wieder zurück an Land.

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Am nächsten Tag erkundeten wir die Insel mit dem Fahrrad. Vor allem die andere Seite war wunderschön. Fernab von lauten Discoklängen und dem starken Tourismus.

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Wir ließen uns Zeit und hielten an jeglichen Ecken an, um uns alles anzuschauen.

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Surfer säumten unseren Weg. Wir hielten an und setzen uns in den Sand. Die Wellen rauschten und der Wind blies eine kühle Brise in mein Gesicht. Ein bisschen Paradies war also doch noch erhalten, allerdings muss man danach suchen.

Mein Lieblingspunkt auf der Insel ist eindeutig der Sunsetpoint. Dorthin kommt man mit den angesagten Pferdekutschen, oder aber wie wir mit dem Fahrrad. Etwas herunter gekommen ist er schon, aber der Ausblick ist wunderbar. Wenn die Sonne sich dem Untergang neigt, kann man viele Angler beobachten, die versuchen noch etwas zu Essen zu fischen.

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Sobald die Sonne untergegangen ist, öffnen sich die Tore des Night Food Market. Ein Markt, auf dem man „frisch“ zubereitetes Essen kaufen kann. Mit eigens mitgebrachten Plastikgabeln, machten wir uns auf den Weg dorthin. Doch dann passierte es. Stromausfall. Die Insel war auf einmal stockdüster. Kein Licht brannte mehr. Ich genoss die Ruhe und fragte mich, wie es wohl auf der Insel wäre, wenn man die ganzen Musikanlagen einfach mal auslassen würde. Wo einst Jack Johnson aus den Lautsprechern kam, dröhnte nun House Musik in mein Ohr. Da war es wieder, die Notstromagregatoren taten ihren Dienst und versorgten die Insel wieder mit Strom.

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Auf dem Markt angekommen, entschied ich mich für Gemüse und Tofu. Wo ich vor zwei Jahren noch 1,90 Euro für einen ganzen Teller bezahlt habe, musste ich dieses Mal aber zweimal hinhören, als der nette Herr mir verklickerte, dass der Teller 5 Euro kosten sollte. Spätestens zu dem Zeitpunkt war mir klar, dass der Tourismus die kleine Insel Gili Trawangan eingeholt hat und nichts mehr ist, wie es mal war.

Die einzige positive Attitude, die der wachsende Tourismus dort mit sich gebracht hat, ist der Rückgang des Drogenangebotes. Wo man vor zwei Jahren noch an jeder Ecke Mushrooms und Mushroomcocktails angeboten bekam, herrscht jetzt weitestgehend Ruhe. Natürlich bekommt man das Zeug noch, aber nicht mehr in einer solch offensiven Art und Weise wie noch vor zwei Jahren. Lest dazu doch auch mal meinen alten Beitrag und macht Euch selbst ein Bild über die Entwicklung.

 

  3 comments for “Gili Trawangan – Vom Paradies zur Partyinsel

  1. 20. November 2015 at 11:35

    Hallo,
    Sehr interessanter Artikel von. Teile deine Ansichten zu diesem „Paradies“.
    Wir hatten ein Hotel in der Nordwestecke und dort war es sehr schön. Die Ostseite mit den vielen Booten und der Musik sagte uns gar nicht zu.
    Lg
    Thomas

    • Joana
      20. November 2015 at 12:18

      Hallo Thomas, uns ist es genauso ergangen. Die Seite wo Ihr wart ist um einiges schöner. Wir waren drauf und dran wieder abzureisen.

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