Das Spiel mit der Liebe

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Heutzutage ist es nicht mehr selbstverständlich den Partner fürs Leben zu finden. Dies belegt eine aktuelle Studie, die von knapp 20 Mio. Singles in Deutschland ausgeht. In Zeiten von Tinder, Lovoo und diversen anderen „Liebesapps“ gerät der Wert wahrer Liebe immer weiter in den Hintergrund. Wo man früher seinem Auserwählten noch Liebesbriefe zugesteckt hat, ist heute alles digitalisiert. Man lernt sich kennen und „checkt“ sein Gegenüber  zunächst bei Facebook. Oftmals entdeckt man dann auch noch gemeinsame „Freunde“. Diverse Fotos, Selfies und Pinnwandposts können allerdings so abschrecken, dass man sich dazu entschließt, den gerade kennen gelernten schon abzuschießen, bevor man ihn überhaupt ein Schritt in sein Leben hat tapsen lassen.

Susi, eine gute Freundin von mir, erzählte mir genau diese Situation. Sie war auf einer Sommerparty, alle waren gut drauf und haben gemeinsam gelacht und gefeiert. Dann kam er. Groß, schlank, gut gebaut und ein umwerfendes Lächeln. Zu gut um wahr zu sein, doch sie stand schließlich vor ihm, also konnte es sich hierbei zumindest mal nicht um eine Fatamorgana handeln. Die beiden unterhielten sich den ganzen Abend und schwammen auf der gleichen Wellenlänge. Ich freute mich für sie, denn ihr jahrelanges Singledasein war keinesfalls immer leicht für sie. Am nächsten Tag kam aber dann allerdings die direkte Ernüchterung. „Lass uns mal aufs Facebook Profil schauen“, sagte sie zu einer anderen Freundin. Gemeinsam durchleuchteten die beiden den attraktiven Nachtschwärmer. GWas dann zu tage kam, verunsicherte meine Freundin so sehr, dass sie keine Lust mehr auf ein Wiedersehen hatte. Sie ist auf der Suche nach einem treuen Mann, der sich Zeit für sie nimmt und ebenfalls eine feste Beziehung sucht. Seine Chronik war allerdings gespickt von Partysauffotos und auf jedem zweiten Bild war er mit einer anderen Dame im Arm abgelichtet. Da hat er wohl seine Privatsphären Einstellung nicht richtig aktiviert. Zu guter Letzt, hatte er mit ihr noch zwei gemeinsame Freunde, die ihr den Satz „Zeig mir Deine Freunde und ich sag Dir wer Du bist“ vors Auge zauberte. Kein gutes Karma. Sie schoss ihn ab, ohne ihn überhaupt zu kennen.

Diese Situation gab mir schwer zu denken. Warum ist es in der heutigen Zeit eigentlich nicht mehr möglich, jemanden kennen zu lernen, ohne ihn gleich durchleuchten zu müssen? Wo ist die Zeit hin, die man einer Liebelei zum Wachsen geben muss? Warum versuchen wir alles zu kontrollieren und zu scannen? Wahrscheinlich liegt es daran, dass das Internet uns suggeriert, dass es genug Auswahl gibt und immer noch etwas Besseres kommen könnte. Dass dies so ist, merkt man auch am Verhalten einiger App User.

Eine andere Freundin von mir – Lili – ist Dauersingle. Sie ist Ende 20 und schon einige Zeit alleine. Sie sieht gut aus, ist humorvoll, intelligent, hat ein großes Mundwerk und steht mit beiden Beinen im Leben. Eigentlich müsste sie schon lange jemanden gefunden haben, der ihr die Welt zu Füßen legt, doch Mr. Charming lässt noch auf sich warten. Während sie auf ihn wartet, wird ihr Laster immer größer. Immer mehr Zeit inverstiert sie in die Suche nach „Matches“. Ihre Daterate liegt wahrscheinlich weit über dem Durchschnitt, aber das stört sie nicht, sondern lenkt sie von ihrer Situation ab. Ihre ganze Woche ist mit Dates gespickt, doch machen sie diese auch nicht glücklich, denn eigentlich ist es immer das Selbe. Und meist sind die Auserwählten auch nicht so schick, wie sie es auf ihren Instagramm bearbeiteten Fotos vorgegaukelt haben. Zu groß, zu schwer, zu wenig Humor – irgendwas ist immer.

Je älter man wird, umso höher sind auch die Ansprüche an den nächsten Partner. Man hat ja auch nicht mehr die Zeit eines Teenagers, denn die sogenannte „Uhr“ tickt. Doch ist es richtig, in der Phantasie das Bild eines perfekten Menschen aufzubauen, dass niemals in der Realität bestehen würde? Es gibt weder perfekte Frauen, noch perfekte Männer. Jeder hat irgend ein Defizit, das ist mit steigendem Alter unabdingbar. Allein die Erfahrungen die jeder in der Liebe macht, prägen einen. Wo man früher noch unbelastet in eine Beziehung gestartet ist, fängt man heute schon beim ersten Date an auszusortieren. Ich frage mich, wovor die Menschen Angst haben. Dass sie ein Stückweit von ihrer Idealvorstellung des Traumpartners abweichen müssen, um glücklich zu werden?

Es ist schade zu beobachten, in welche Richtung sich der Wert der Liebe entwickelt. Niemand gibt ihr mehr Zeit zu wachsen. Hat man den Partner gefunden, der es mit einem aushält, dann hat man den Jackpot geknackt. Doch auch in Partnerschaften reagieren Menschen komisch. Bei den kleinsten Differenzen trennen sich viele Paare, anstatt zu würdigen was sie haben und darum zu kämpfen. Wer hat gesagt, dass Liebe immer so einfach ist und dass man nicht auch daran arbeiten muss.

Laut einer Studie liegt der Wert der Singlehaushalte in Deutschland bei 37,2%. Es wird Zeit, das zu ändern. Wenn man sich überlegt, dass die Vorstellungen von einem Leben mit dem Partner früher noch ganz andere waren, ist die Entwicklung beängstigend. Oftmals habe ich das Gefühl, dass viele Menschen Angst haben sich fest zu binden. Sei es aus Angst, etwas zu verpassen, aus Angst, keine Zeit mehr für seine Freunde zu haben, oder vielleicht, weil man Angst hat sich ein stückweit aufzugeben und Verantwortung für einen anderen Menschen zu übernehmen. Auch der Karriereanschub kann ein Grund dafür sein. Man sollte sich vielleicht mal bewusst machen, dass Liebe niemals fragt und man sie auch nicht erzwingen kann. Vielleicht sollte man einfach offener durch die Welt laufen und sich einfach wieder trauen, dass Projekt Liebe anzugehen. Es kann auch mal weh tun, aber vielleicht tut es noch viel mehr weh, Ewigkeiten nach dem PERFEKTEN Lebenspartner zu suchen. In einer Beziehung sollte man vielleicht das Handy einfach mal weg packen und sich gegenseitig wieder mal eine kleine Nachricht auf Post-it´s schreiben und diese an die Butterbrotdose pappen. Auch bei Meinungsverschiedenheiten, sollte man nicht gleich die Beziehung beenden, sondern kämpfen. Als Single sollte man vielleicht einfach mit offenen Augen durchs Leben gehen und seine Ansprüche zumindest ein wenig flexibeler gestalten und einem möglichen Lebenspartner die Chance geben, sich selber vorzustellen. Die Singles, die die Apps zum Spaß nutzen, sind hier heute mal außen vor gelassen. Egal ob mit, oder ohne Partner – gestaltet Euer Leben bunt und versucht ohne Vorurteile und mit einer gewissen Offenheit an die Sache ran zu gehen. Dann werdet Ihr auch glücklich, egal ob Single oder Verpartnert.

 

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