Afrika – Marrakesch – Orientalischer Traum

Orientalisch, ein wenig chaotisch und mit vielen Farben und Charme präsentiert sich Marrakesch bei meinem ersten Besuch. Mit knapp 1 Mio. Einwohnern ist die „Perle des Südens“ keine Kleinstadt.

Per Direktflug geht es aus dem verregneten Köln ab nach Afrika, genauer gesagt nach Marrakesch. Mit einem Reiseführer bepackt, den ich bislang noch nicht habe studieren können, verharre ich der Dinge, die ich erleben werde. Das erste Abenteuer beginnt bereits am Flughafen in Marrakesch. Als erstes nehmen wir uns eine kostenlose Simkarte mit. Diese bekommt man direkt in der Nähe vom Gepäck und, muss dann nur entscheiden, wie viel Datenvolumen man haben möchte und kann dann für wenig Geld sicher gehen, dass einen die Kosten des heimischen Mobilfunkanbieters nicht treffen. Doch wie kommen wir überhaupt in die Stadt? Es gibt mehrere Möglichkeiten und nachdem der Taxifahrer nicht von seinen 150 Dirham abweichen möchte, entschließen wir uns für den Bus (No.19), der uns für 30 DR direkt an den Hauptplatz Marrakeschs, dem Djemaa el Fna, bringt.

Es ist bereits dunkel und die Welt, die sich uns dort eröffnet ist eine, die vom Kölner Alltag nicht weiter entfernt sein könnte. Pferdekutschen, Gaukler, Schlangenbeschwörer, Frauen die Henna Tattoos auf die Hände der Touristinnen malen und jede menge Essensstände. Auf dem Weg zu unserem Riad (typisches Marrokanisches Haus umgebaut zu einer Unterkunft) trinken wir zunächst einen frisch gepressten Saft. Das kann ich auch nur jedem empfehlen. Gut gestärkt machen wir uns durch die engen und überfüllten Gassen auf den Weg.

Überall gibt es etwas zu sehen. Da wir aber nach dem Check-In noch essen wollen, nehmen wir den direkten Weg. Am Riad angekommen sind wir verblüfft, welche Ruhe hinter der Haustüre herrscht. Wir bekommen einen typischen marrokanischen Minztee und beziehen dann unser kleines aber feines Zimmer. Wir wussten schon, dass die Riads keine Heizungen haben, aber dass es so kalt wird, damit konnte man wirklich nicht rechnen. Nachdem das Zimmer inspiziert ist, machen wir uns auf den Weg zu einem spontan ergoogleten Restaurant. Naranj. Im Internet auf Platz 4, scheint es für uns eine sichere Wahl zu sein. Wir sind erst abgeschreckt, da es von außen etwas schicker wirkt, wagen es aber dennoch. Wir sind vollkommen begeistert. Wir bestellen Feta Zigarren, ein Auberginengericht und einen vegetarischen Vorspeisenteller. Die Preise sind hier mit dem europäischen Standard zu vergleichen, während der Geschmack unvergleichlich ist. Viele Gewürze, die im Mund miteinander harmonieren, als wären sie füreinander bestimmt.

Nach dem Essen lassen wir uns noch kurz treiben und fallen dann hundemüde ins Bett. Halb efroren hoffe ich, am nächsten Tag nicht krank zu sein. Doch der nächste Tag startet mit einem typisch spartanischen, aber leckeren Frühstück. Es gibt sogar frisch gepressten O-Saft und Minztee.

Nachdem wir uns gestärkt haben, geht es los. Wir machen Marrakesch unsicher. Zunächst gehen wir durch die vielen kleinen labyrinthartigen Souks. Bei unserer ersten Begehung schauen wir nur und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Das ist auch direkt ein Tipp. Nicht schon am ersten Tag einkaufen. Macht euch erstmal ein Bild über das Angebot, man fühlt sich sowieso erstmal erschlagen. Ein Angebot, was Shoppingliebhaber in einen wahren Kauf Rausch verfallen lässt. Decken, Tücher, Lampen, Schmuck, Taschen, Ledersitze,Teppiche und allerlei Zeug, dass sich in der heimischen Wohnung toll machen würde, aber leider nicht ins Handgepäck passt. Wir lernen dennoch, dass man nie mehr als die Hälfte des Preises bezahlen sollte, mit der der Händler startet. Hat bis auf einen Fall auch immer tadellos geklappt. Man muss sich auf das Abenteuer Marrakesch einlassen, sonst geht man hier mit tuten und Trompeten unter. Die Souks scheinen auf den ersten Blick undurchsichtig und man mag sich verlaufen, aber das macht doch gerade Spaß.

Im Reiseführer lesen wir von einem Trödelmarkt, der täglich von 08-12 Uhr ist. Das hört sich toll an. Wir machen uns auf den Weg. An jeder Ecke wird uns gesagt, dass dies nicht der richtige Weg ist und wir uns verlaufen haben. Wir ignorieren das, denn ich habe mich vorab informiert. Hier noch ein kleiner Tipp: Wenn jemand sagt, dass ihr in die falsche Richtung geht, nehmt dies nicht zu ernst. Wenn euch jemand anbietet, euch den Weg zu zeigen, lehnt dies ab. Oft möchte derjenige danach von euch Geld haben. Marrakesch ist auch nicht so kompliziert, dass man das benötigt. Wir haben immer die Offline Karte von Marrakesch auf dem Handy. Hier ist wohl Maps.me unangefochten. Zielsicher stolzieren wir weiter und erreichen nach knapp 30 Minuten den Markt. Wohl fühlen wir uns nicht. Touristen gibt es keine. Aber das macht nichts, wir wollen schließlich das wahre Marrakesch kennenlernen. Da wir nun im Norden unterwegs sind, machen wir uns auf den Weg zum Machwerk von Yves Saint Laurent. Dem Jardin Majorelle.

Wir überlegen kurz und entscheiden uns für den Park und das Berber Museum. Eine gute Wahl. Der Park ist ein 4000 qm großer botanischer Garten und ist mit fünf Arten von Pflanzen (von fünf Kontinenten) versehen – vorwiegend Kakteen. Man fühlt sich gleich wie in Mexiko. 20 Gärtner kümmern sich hier täglich um den Park. Der Park ist seit 1947 öffentlich zugänglich. Langsam schlendern wir durch den Park und ergeben uns der toll gepflegten Anlage. Auch das Berber Museum ist informativ. Vor dem Park warten bereits geschäftige Taxifahrer auf ihr nächstes Geschäft. Diese kann man aber getrost links liegen lassen, da man fussläufig sehr viel erkunden kann. Aus dem Grund kommen wir auch auf 18 km am Tag. Völlig geschafft geht es zurück zum Riad. Dieses hat nämlich glücklicherweise eine Dachterrasse mit Liegestühlen. Wir entspannen und lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen. Auch in Januar benötigt man eine Sonnenbrille.

Nach einem kurzen fresh up geht es weiter. Wir schlendern nochmal durch die Souks und wollen uns unbedingt abends das Treiben auf Marrakeschs Hauptplatz anschauen. Wir wurden im Vorfeld der Reise des öfteren gewarnt, dass man in Läden gezogen wird etc. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es uns nicht passiert. In den Souks haben die Verkäufer sogar Verbote verhängt bekommen und daran halten sie sich auch. Ganz anders ist es auf dem Djemaa el Fna. Wir schlendern los und es dauert keine Minute, bis wir umzingelt sind. Jeder möchte uns sein Essen schmackhaft machen, das geht sogar soweit, dass man mir an der Jacke zieht. Ein No-Go. Ich mache meiner Wut lauthals Luft und man lässt von mir ab.

Keine schöne Erfahrung, gehört aber scheinbar dazu. Wir flüchten nachdem wir einen kleinen Snack zu uns genommen haben ins Bett. Am nächsten morgen geht es wieder los.

Als Erstes genießen wir einen leckeren Minztee im „Café Des Épices“ auf einem Marktplatz. Man nennt ihn hier auch „Wiskey“ auf Grund der Farbe. Eingeschütet wird er traditionell von oben mit Abstand zum Glas. Nichts für mich, da ich den ganzen Tisch begießen würde. Im Anschluss wollen wir die Schule „Medersa Ben Youssef“ besuchen. Leider ist diese aktuell eine Baustelle und nicht geöffnet.

Wir schlendern weiter und kommen am Fotografiemuseum „Maison de la Photographie“ in der Rue Ahal Fes ca. 10 Minuten von der Schule entfernt, vorbei. Ich liebe Fotografie und da ist klar, dass ein Besuch hier ein Muss ist. Das Museum ist in einem alten umgebauten Riad untergebracht. Es bietet eine willkommene Abwechslungsreich zur hektischen Stadt. Die ausgestellten Fotos zeigen das alte Marroko. Am Ende des Besuchs kann man auf der großen Dachterasse den Blick über Marrakesch schweifen lassen und einen leckeren Minztee trinken. Ein Besuch der größten Moschee Marrakeschs steht auch noch auf dem Plan. Die Koutoubia-Moschee (übersetzt Moschee des Buchhandels) ist eine der ältesten Moscheen Marrokos und das Wahrzeichen Marrakeschs. Sie wird abends beleuchtet und man kann sie aus bis zu 39 km Entfernung sehen. Betreten können wir die Moschee leider nicht. Das ist nur Muslimen vorenthalten.

Einen Tipp für den Rückflug habe ich noch. Am Flughafen angekommen, müsst ihr zum Check in eures Fluganbieters und euch einen Stempel abholen, sonst kommt ihr nicht durch die Sicherheitskontrolle. Unabhängig davon, ob ihr nur Handgepäck habt oder nicht. Zudem werden eure Sachen gleich am Eingang gescannt. Das nimmt alles zusätzlich Zeit in Anspruch. Rechnet das mit ein.

Must-See:

Souks

Medina

Jardin Majorelle

Djemaa el Fna

Koutoubia-Moschee

Restauranttipps:

Naranj

Corner Café ( Unbedingt Falafel essen)

La Patisserie Marrocain (um Gebäck zu genießen)

Café Des Épices (Minztee trinken und das Treiben auf dem Markt beobachten)

Eintritt

Jardin Majorelle: 70 DH

Musée Berbère: 30 DH

Musée YVES SAINT Laurent: 100 DH

Maison de la Photographie: 50 DH